Preis der Sieben Faulen


3. Innovationspreis des Sieben Faulen e. V. vergeben

Verein ehrt besondere soziale Projekte mit kreativen Ansätzen.

Besonders innovativ und gemeinnützig sollten sie sein, die Ideen der Preisträger des ersten Bremer Innovationspreises. Ganz passend zum Ziel des Vereins der „Sieben Faulen“ und im Sinne der alten Bremer Sage von Friedrich Wagenfeldt. „Der gemeinnützige Verein ‚Die Sieben Faulen e. V.‘ mit Sitz in Bremen will innovatives Denken und Handeln in Stadt und Land anregen und in besonderer Weise auszeichnen“, erklärte der Vorsitzende, Peter Siemering. Angeregt durch die Legende von Friedrich Wagenfeldt über die sieben faulen Brüder an der Weser, die – motiviert durch ihre Faulheit – immer neue Ideen kreierten, die ihr Leben einfacher, schöner und angenehmer machten, fördert der Verein seit einiger Zeit nennenswerte Projekte in der Stadt.

Am Donnerstag (19. Mai 2016) wurden im innovativsten Quartier Bremens, der Überseestadt, vier Preisträger für ihr besonderes Engagement geehrt. Der Bremer Innovationspreis ist mit 15.000 Euro ausgestattet – einer für Preise in der Bundesrepublik Deutschland vergleichsweise beachtlichen Größenordnung. 2016 hat die unabhängige Jury aus nahezu dreißig, den Kriterien der öffentlichen Ausschreibung entsprechend qualifizierten, Bewerbungen vier in besonderer Weise ansprechende Vorschläge ausgewählt und mit Preisen bedacht.

Innovationspreis Sieben Faulen e.V.

1. Preis

So wurde einer der beiden mit jeweils 5.000 Euro dotierten ersten Preise des Jahres 2016 dem Projekt „Alle Kinder sind neugierig, kreativ und talentiert“ der Bürgerstiftung Lilienthal zuerkannt.

Die Bürgerstiftung Lilienthal wurde im November 2002 gegründet mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien oder mit Migrationshintergrund zu helfen, in ihrem vorschulischen und schulischen Bildungsweg erfolgreich zu sein. Inzwischen erstreckt sich der Kreis der Angesprochenen auch auf Roma und seit 2015 auch auf Flüchtlinge.

Mehr als 160 Ehrenamtler der Bürgerstiftung, das ist fast jeder hundertste Einwohner von Lilienthal, engagieren sich in mehr als 23.000 Stunden pro Jahr. Das reicht vom intensiven Nachhilfeunterricht über Nachmittagskurse mit einem breiten Themenspektrum von Ameisen bis zur Physik, und von Wassertropfen bis zum Weltall bis zu Ausflügen, Museums- und Theaterbesuchen, Musik- und Zeichenunterricht. Mit diesem breiten Angebot erreicht die Bürgerstiftung jedes Jahr über 1000 Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Schulen von Lilienthal „und umzu“. Allein im Jahr 2015 unterrichteten 56 freiwillige Helferinnen 73 Flüchtlingskinder in drei Grundschulen, der Integrierten Gesamtschule und dem Gymnasium in 372 monatlichen Stunden in der deutschen Sprache.

Zu all diesen Angeboten wird in der nächsten Woche ein Kinderforschungszentrum im, von der Gemeinde Lilienthal zur Verfügung gestellten, ehemaligen Naturkundemuseum eingeweiht. Mit der Hilfe zweier Stiftungen konnte es so renoviert und umgebaut werden, dass es jetzt die Möglichkeit bietet, die fast 200 interaktiven Experimente aus den MINT-Fächern, die die Bürgerstiftung im Lauf der Jahre erstellt hat, den Kindern und Jugendlichen regelmäßig zum Mitmachen anzubieten. Schon in den bisherigen Jahren konnten sich über 10.000 Schülerinnen und Schüler im Rahmen des jährlichen „Neugier“-Wochenendes im Autocenter Schmolke in Lilienthal mit diesen Experimenten befassen, aber die Nachfrage war immer größer als das zeitlich limitierte Angebot.

„Wissend, dass die Wurzeln für das naturwissenschaftliche Verständnis bereits im Kindergarten- und Grundschulalter gelegt werden, fördern wir Neugierde und technische Kreativität, Wissbegierde und Forschergeist der Kinder und lassen sie die Freude am eigenen Entdecken und Erfinden hautnah erleben. Unser Anliegen ist es, Kindern frühzeitig Lust auf Naturwissenschaften zu machen und sie dafür zu gewinnen, den spannenden Fragen nachzugehen, wie etwas funktioniert,“ schreibt die Bürgerstiftung.

Der andere der beiden 1. Preise geht an das Projekt „FemCafé“ – Treffpunkt für Frauen in Bremen. Das FemCafé ist ein Raum für Begegnung zwischen Frauen, die erst vor kurzem, vor allem im Flüchtlingskontext nach Bremen gekommen sind, und Frauen, die schon länger in Bremen leben oder hier aufgewachsen sind. Das FemCafé findet zurzeit einmal im Monat im Mädchenkulturhaus in der Heinrichstr. 21 statt. Dies ist nur möglich dank der Unterstützung vieler ehrenamtlich tätiger Frauen.

Das FemCafé bietet die Möglichkeit, dass Frauen aus unterschiedlichen Herkunftssituationen sich gegenseitig kennenlernen, Austausch pflegen über ihre Interessen und Lebenssituationen. Zudem bietet das FemCafé ein Forum der Vernetzung und Solidarität zwischen geflüchteten Frauen und Mädchen und Bremerinnen. Besonders wichtig ist diese Einrichtung auch dafür, dass Frauen mit Flüchtlingsbiografie sich untereinander austauschen können und einen Kommunikationsraum außerhalb der Notunterkünfte oder der Übergangswohnheime haben.

Doch bei der reinen Kommunikation bleibt es nicht: Es gibt diverse Unterstützungs-, Informations- und materielle Angebote, die geflüchtete Frauen im FemCafé wahrnehmen können. Das Spektrum geht von einem Kleider- und Spielsachentausch über Beratungsangebote zu vielfältigen Themen bis zu diversen kulturellen Angeboten.

Auch die Mobilität und Selbstständigkeit der geflüchteten Frauen sollen im FemCafé gestärkt werden. Dazu wird unter anderem ein Konzept für das Erlernen der Benutzung eines Fahrrades und entsprechender Verkehrsregeln zusammen mit dem ADFC Bremen erarbeitet. Des Weiteren ist gerade für geflüchteten Frauen und Mädchen, die eine risikoreiche Bootsüberfahrt hinter sich bringen mussten, das Thema Schwimmenlernen ein oft genannter Wunsch. Hier wurde zusammen mit dem OTe Bad ein Angebot für Frauen in einem geschützten Raum entwickelt. Die Schwimmkurse werden ausschließlich durch weibliches Personal und weibliche Aufsichtspersonen betreut; Kinder sind in das Programm eingebunden.

Die für Frauen besonders wichtigen Themen Schwangerschaft, Geburt sowie Säuglingspflege und Kindererziehung werden im FemCafé ebenfalls für die geflüchteten Frauen und Mädchen aufgearbeitet und vermittelt. Hierbei gibt es eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Mütterzentren und Familiennetzwerken.

2. Preis

Der mit 3000 Euro dotierte zweite Preis ging an die Jugendkabarettgruppe für das Projekt SpamFilter im Schnürschuh Theater. Die Gruppe aus zehn Jugendlichen aus verschiedenen Stadtteilen und Milieus erarbeitet in wöchentlichen Treffen unter der Anleitung einer Theaterpädagogin über eine Spielzeit hinweg ein abendfüllendes kabarettistisches Programm, das jeweils in der nächsten Spielzeit im Theater aufgeführt wird.

In der Spielzeit 2016/2017 sollen vermehrt geflüchtete unbegleitete Jugendliche für SpamFilter gewonnen werden. Die Jugendlichen werden bei diesem Vorhaben ihre Lebenswirklichkeit reflektieren und zum Ausdruck bringen in einer Mitteilung an andere Menschen, die sie für sich und ihre Themen interessieren, vielleicht sogar gewinnen wollen. Sie setzen sich dabei mit politischen Themen auseinander und präsentieren mit den Möglichkeiten kabarettistischer Darstellung, also mit Satire, Musik, mit Wort und möglicherweise Bild, ihre Geschichten, ihre Probleme, ihre Themen, ihre Anliegen in kritischer, vielleicht sogar bissiger, aber auch humorvoller Weise.

Das zuletzt erarbeitete Programm hat am 3. Juni Premiere und wird am 5. und 19. Juni ebenfalls gezeigt. Mit dem Preis der Sieben Faulen wird die Fortsetzung der bisherigen Arbeit des Schnürschuh Theaterhauses in 2016/2107 ermöglicht. Die neue Anstrengung startet am 29. August und gipfelt in der Premiere im Juni 2017.

3. Preis

Der dritte Preis der Sieben Faulen ist mit 2000 Euro dotiert. Er geht an das Projekt „Flüchtlinge kochen für Obdachlose“ des Vereins „Bremer Suppenengel e.V.“

43 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein Geschäftsführer bilden die Start- und Landebahn für die Engel und sind dann auch gleich als solche aktiv, wenn sie vier Mal pro Woche eine wohlschmeckende Nahrung zu Obdachlosen und anderen bedürftigen Menschen bringen. In dem von der Jury für preiswürdig erachteten Vorhaben bringen die Suppenengel jetzt ehrenamtliche Helfer, Flüchtlinge, Obdachlose sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen zusammen. Firmen wurden für den Kauf von Lebensmitteln und zur Mitarbeit im Rahmen eines Social Day gewonnen, Flüchtlinge bereiten Essen nach Rezepten aus ihren Herkunftsländern zu, das dann Obdachlosen und andere Bedürftigen angeboten wird.

Eine wertschätzende ehrenamtliche Tätigkeit für Flüchtlinge und ein Zeichen, dass diese Menschen, die in unser Land kommen, den Bedürftigen der Stadt nichts wegnehmen, diese vielmehr bereichern. Eine mustergültige Idee, wie die Jury beschloss.

Der gemeinnützige Verein „Die Sieben Faulen e.V.“ wird spätestens 2018 den nächsten Bremer Innovationspreis vergeben, aber auch weiterhin während des Jahres besondere Vorhaben unterstützen. Die Preis- und Fördergelder bringt der Verein durch Jahresmitgliedsbeiträge und einen Extra-Betrag neuer Mitglieder beim Eintritt zu den Sieben Faulen auf. Der Jury gehörten folgende Persönlichkeiten an: Barbara Lison, Professor Dr. Joachim Treusch, Dr. Martin Klinkhammer, Rajab Ibrahim und Professor Dr. Heinz Glässgen (Vorsitz).